25. Oktober 2014

Gedanken zum Thema Magerwahn und heutigem Schönheitsideal.

Wir standen in einer langen Schlange am Flughafen, als ich sie das erste Mal sah. Ein Mädchen, deren Anblick mich wirklich fassungslos machte. Sie hatte Beine, die in etwa dem Durchmesser eines normalen Dosengetränkes oder einer Pringles Dose entsprachen, wobei ich mir ziemlich sicher war, dass sie letztere wahrscheinlich so gut wie noch nie gegessen haben konnte. Ein Sicherheitsbeamter bat sie, ihre Jacke abzulegen und ein noch magerer Oberkörper kam zum Vorschein. Ihr Kopf war im Verhältnis viel zu groß und hatte komplett falsche Proportionen. Ich war wirklich geschockt. Hatte sie Anorexie oder Bulimie? Oder eine andere Krankheit? Ich wollte keine falschen Urteile und Schlüsse ziehen, jedoch ging mir ihre krankhaft dünne Figur nicht mehr aus dem Kopf. Kurze Zeit später befanden wir uns im Flieger und ich sah, dass das Mädchen direkt die Sitzreihe vor mir hatte. Ihr gesamter Habitus war eigenartig. Irgendwie nicht normal. So, als ob sie jeden Moment zusammenklappen würde. Vermutlich war der etwas ältere Mann neben ihr ihr Vater, mit welchem sie sich teilweise unterhielt. Als die Boardcrew später das Essen verteilte, verneinte das Mädchen. Mir kam das alles sehr verdächtig nach Magersucht vor, nahezu im Endstadium. Es war das "Hungern in stärkster Form", zumindest was aus ihrem Körper zu schließen war. Und es war kein schönes Schlanksein mehr. Es war ein skelettartiger Körper, schon fast gruselig. Fand sie sich denn selbst schön so?

Ich stehe dazu, dass auch ich in das Klischee von Mädchen falle, das ihren Körper nicht wirklich schön findet. Ich finde gar nicht die Zeit dafür, jeden Tag ins Fitnessstudio zu rennen. Auch weiß ich, dass ich oft an meinem Körper herummeckere und das ein oder andere Mal mir schon etwas zu dick vorkomme. Ich versuche zwar, meinen Körper so zu akzeptieren, wie er ist, jedoch ist dies in heutiger Zeit echt schwer. All diese traumhaftschönen Figuren, die in den tollen Kleidungsstücken hochwertiger Designer stecken. Irgendwie doch gemein.
Nun saß ich jedoch da und bekam das Bild des viel zu abgemagerten Mädchen nicht mehr aus dem Kopf. Waren es vielleicht die Medien, die sie so hatten magern lassen? Die ganzen Tumblr-Bilder, auf denen so ein perfektes Leben mit perfekten Mädchen in perfekten Körpern gezeigt wurden? Waren es gemeine Kommentare, weil sie vor längerer Zeit viel mehr gewogen haben könnte? Ich werde es natürlich nie erfahren, dennoch konnte ich nicht anders, als mich mit diesem Thema zu beschäftigen.
Was zur Hölle macht die Gesellschaft mit uns? Verändert so sehr das Schönheitsideal. Warum? Ich meine, schaut euch allein die alten Gemälde an. Ich erinnere mich an meinen Kunstunterricht. "Ih, die ist ja fett. Die sollte mal etwas mehr Sport machen, ist ja ekelhaft." Krasser Kommentar. Dabei hieß das Schönheitsideal von damals nur: Bitte Weiblichkeit durch Rundungen! Was ist also passiert, dass sich so ein Bild so verschieben kann? Warum finden wir dünne Beine und am besten das berühmte "Gap" zwischen den Beinen so viel schöner als ein breites Becken mit rundem großem Po, bei welchem die Oberschenkel natürlich eine andere Größe betragen? Allein Marilyn Monroe, die mit Größe 40/42 in den 50ern das Sex-Symbol schlecht hin war, hätte heutzutage keine Chance mehr, eines der Topmodels zu werden. Ihre Rundungen würden ihr zum Verhängnis werden... doch wer hat den Trend gesetzt? Wer ist Schuld daran, dass gefühlt jede dritte junge Frau schon seit ihren frühen Mädchenjahren an Magersucht oder Bulimie leitet? In den 60er Jahren tauchte Twiggy auf, heutiges Schönheitsideal, prägte sie die heute Zeit so? Ich frage mich, weshalb wir einen Körper als schön bezeichnen, der nicht mal mehr richtig nach Frau aussieht. Nicht Mann, nicht Frau. Kaum Brust, oft schon mehr Gerippe und lebendes Skelett, als Weichheit. Models, die sich die Backenzähne herausoperieren lassen, um dünnere Wangenknochen zu bekommen. Warum????? Ich verstehe es nicht. Und doch bin ich selbst mit meinem Körper nicht zufrieden. Obwohl ich eigentlich ganz genau weiß, dass ich einen normalen Körper habe. Ich bin eben kein Hungerhaken. Aber ist das nicht eigentlich schöner?
Lasst uns doch endlich die Gesellschaft zurück zu den alten Standards bringen. Damit meine ich nicht , dass Menschen nicht mehr anstreben sollten, dünn zu sein. Denn 'dünn' ist ein großer Unterschied zu 'dürr'. Ich möchte damit eher zum Ausdruck bringen, dass wir unseren Körper mit unserem Idealgewicht akzeptieren sollten. Die einen sind von Natur aus mit dünner Veranlagung beschenkt worden, können essen, so viel, wie sie wollen.
Essen ist etwas, was zu den Verpflichtungen eines Menschen gehört. Wie viele können dieses nicht mehr genießen? Starren stundenlang die Inhaltsstoffe und Kalorienanzahl an und verzweifeln schon fast bei dreistelliger Summe. Natürlich sollte man auf seine Ernährung achten, sollte sie ausgewogen und gesund gestalten. Aber das heißt doch auf keinen Fall hungern oder es sofort wieder aus zu kotzen! Ein Apfel am Tag? Wo soll denn da der Körper Energie bekommen? Oder gar in Cola getauchte Watte -  Füllt ja schön den Magen und betrügt das Sättigungsgefühl?! Ernsthaft, Leute?????  Ekelhaft, giftig und erschreckend. Abnehmen und Figur halten wollen ist die eine Sache, doch es ist immer eine Frage der Auslegungsform.

Aber was können Symptome sein? Allein, dass Gefühl, lieber am Abend mit einem Hungergefühl einschlafen zu wollen, als ordentlich zu essen, kann schon gefährlich werden. Die Angst, zuzunehmen und sich im eigenen Körper nicht mehr wohl zu fühlen. Ernster wird es dann, wenn plötzlich die Monatsblutungen ausbleiben und sich ein verändertes Essverhalten einbürgert, welches zu extremem Gewichtsverlust führt. Außerdem sollten auch emotionale Veränderungen als eine Warnung verstanden werden, ebenso wie das Erfinden von Ausnahmen, am Essen nicht teilnehmen zu müssen und nur an gewissen Uhrzeiten essen zu wollen. Eine ganz konkrete Auflistung habe ich hier auf der Seite gefunden.
Diese Symptome sollen aber natürlich nicht automatisch bedeuten, dass Menschen, die sich hiermit identifizieren konnten, sofort magersüchtig sind, jedoch sollten sie gut beobachtet werden.
Denn gerade Essen sollte doch eigentlich genossen werden. Und wir haben sogar das Glück in einer Gesellschaft zu leben, in welcher wir so viele verschieden Möglichkeiten an Gerichten haben. 

Ich wünsche mir einfach nur, dass etwas Normalität auf diese Welt kommt. Ich weiß, Magersucht und Bulimie sind ein ernst zu nehmendes Thema. Nicht ohne Grund werden diese als starke Krankheit gesehen. Mir tun diese Menschen einfach leid. Sie zerstören sich und ihren Körper so sehr. Nehmen ihre Lebendigkeit aus dem Gesicht. Machen sich psychisch kaputt.

Habt ihr solche Phasen in eurem Leben schon durchgemacht? Kennt ihr solche Menschen? Ich würde mich freuen, mir noch mehr Meinungen von anderen dazu einzuholen. Ihr könnt natürlich auch alle Kommentare und Beitrage anonym schreiben, wenn ihr euch wohler dabei fühlt.

Kommentare:

  1. Du hast so recht :( die Zeiten werden immer schlimmer und ich kann selber nicht verstehen wieso das alles so geworden ist. Ich arbeite ja im Krankenhaus und hatte oft schon mit Mädchen zu tun die an Magersucht leiden .. es war total schlimm selbst für mich damit zurecht zu kommen. Danke das du dieses Thema ansprichst ich hoffe es erreicht viele.

    Bei mir läuft gerade eine Blogvorstellung, vielleicht hast du ja Lust mitzumachen, würde mich freuen. Dein Blog ist nämlich total schön ;*
    Mach dir noch einen schönen Tag, Liebes!
    kaariiiibaaaaa.blogspot.de/

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  2. Alessa26/10/14

    Du hast mit Allem so recht, Lea und ich bin stolz auf Dich, dass Du den Mut hast, dieses Thema anzusprechen!! Ich selber habe Bekannte mit Essstörungen und weiß, wie schwierig es als Außenstehende ist, mit den Betroffenen über dieses Thema zu reden, denn, wenn eine Diskussion schwierig wird, kann einfach abgeblockt werden.

    Wir sollten gemeinsam als Weltbürger daran arbeiten, diesen Magerwahn von unserer Erde zu verbannen! Er macht uns lediglich kaputt, nicht nur körperlich, auch seelisch/psychisch.
    Und um Dein Beispiel nochmal aufzugreifen: war Marilyn nicht wunderschön?! :)

    Weiter so, Lea! :-*

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  3. vermutlich hattest du schon recht,, das dieses mädchen eine essstörung/krankheit hatte wenn die proportionen nicht mal mehr stimmten.. aber ich finde sowas nicht immer ok wenn man sagt jemand ist magersüchtig weil er im moment gerade nichts essen wollte. ich mein das jetzt auf keinen fall böse :D
    ich fühle mich bei sowas nur manchmal angegriffen (wo du aber gar nichts dafür kannst nur weil du deine meinung sagst!! ) denn mir wurde in der vergangenheit sehr sehr oft unterstellt ich sei magersüchtig oder hätte irgendwelche essstörungen.. weil ich damals genau wie heute untergewichtig bin.. das liegt aber nicht daran dass ich dünn sein WILL oder nichts esse ich habe eben die veranlagung. ich sehe es auch nicht als kompliment wenn jemand sagt "ich würde auch gerne so viel essen wollen wie ich will" weil ich sehr gerne zunehmen würde. und ich werde so schnell verurteilt von leuten die keine ahnung haben und das nervt micht an der gesellschaft.. das war jetzt aber nichts gegen dich oder dem was du sagst.. im prinzip hast du ja recht mit dem was du gechrieben hast.. (;
    gut er post.. immer sehr interessant.(:

    http://marinareyam.blogspot.de/

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  4. Erstmal, wie oben bereits gesagt wurde, sollte man vorsichtig damit sein, andere als magersüchtig zu betiteln. Das ist zum Teil nicht weniger eine Beleidigung als "Fette Kuh"; beides kann sehr verletzend sein. Und mit so einem Post schert man schnell alle Dünnen über einen Kamm, wenn man sagt "Dünn sein ist nicht sexy, nur Rundungen sind sexy". NEIN! Das eine ist nicht gleich sexier als das andere! Weibliche Rundungen sind genauso ein gesellschafts-gemachtes Schönheitsideal, wie du schon sagtest...
    Ich persönlich finde z.B. schlanke Menschen schlichtweg ästhetischer. Genauso, wie ich die Farbe Türkis lieber mag als Rot. Völlig ohne persönliche Wertung gegenüber der Personen. (Ich habe übrigens bewusst Türkis geschrieben, denn es gibt nicht nur "Dick & Dünn" bzw. "Blau, Gelb & Rot". Jeder ist einzigartig.)
    Aber wenn der Körper wirklich "sehr krass" aussieht wie du es beschrieben hast, kann man wohl davon ausgehen...

    Allerdings bin ich der Meinung, dass die Medien letztendlich nicht die Ursachen dieser Krankheiten sind. Es sind vielmehr die Auslöser. Denn jemand, der in sich gefestigt ist, sich selbst akzeptiert, mit sich zufrieden ist; den wird ein dünnes Model auf einem Plakat nicht plötzlich magersüchtig machen. Wenn man aber sowieso schon unsicher ist, kein Selbstvertrauen hat... Dann kann eine Essstörung ein Weg sein, damit "umzugehen". Letztendlich geht es glaube ich den wenigstens Essgestörten hinterher darum, "schön" zu sein. Sie werden sich niemals "schön" finden, nicht mit 80 und nicht mit 40kg. Es geht um Kontrolle über den eigenen Körper, die eigenen Gefühle, vielleicht auch um Kontrolle anderen gegenüber. Irgendwann ist man gefangen in einer eigenen Welt, und ein simples "Du musst doch nur essen" holt einen da nicht wieder raus. Es ist eine Krankheit, und die tödlichste psychische noch dazu!

    Ich denke, die Medien zeigen einfach dieses total kaputte Bild der Gesellschaft, mit ihrem Druck, immer besser sein zu müssen. Höher, schneller, weiter. Da kann ich es leider nachvollziehen, wenn sich junge, unsichere Menschen in etwas hinein verrennen; irgendwie versuchen, die Kontrolle zu behalten...

    Was man dagegen tun kann? Keine Ahnung. Aber vielleicht helfen schon Kleinigkeit, z.B. wenn wir uns auf die schönen Details im Leben konzentrieren, achtsamer gegenüber anderen sind (!), und auch mal mit einem Lächeln durch die Stadt laufen.

    Ich finde gut, dass du mit deinem Post zum Nachdenken anregst :)
    Liebe Grüße ♥

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  5. Du sagst in deinem ganzen Text, dass dünne Mädels nicht schön und vor allem (!) nicht weiblich sind, weil ihnen die Rundungen fehlen. Du sagst, dass solche Frauen mehr einem Skelet als einer Frau gleichen. Du machst genau das gleiche wie die Medien - nur in die andere Richtung.
    Außerdem frage ich mich, wie der Standard und die Normalität der Gesellschaft auszusehen hat? So etwas gibt es nicht. Es gibt nicht DIE gesellschaftsform.
    Du willst nur dein Schönheitsideal durchsetzen, weil du mit "Hungerhaken" nichts anfangen kannst, weil dir das Schönheitsideal von vor ein paar Jahrzehnten besser gefällt. Aber wieso hat dein Schönheitsideal das Recht darauf, das wahre, das bessere Ideal zu sein?
    Und nein, Ich finde Essstörung nicht gut. Aber ich finde es auch nicht gut, Menschen zu beleidigen und von ihrem Aussehen auf ihre psychischen Krankheiten zu schließen! Oder ist jeder, den du mit einer Flasche alkohol siehst, auch ein Alkoholiker?

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  6. Ich glaube, ich muss hier kurz etwas richtig stellen. Ich wollte mit meinem Text nicht aussagen, dass ich dünne Menschen nicht schön finde. Ich wollte nur auf den Unterschied aufmerksam machen, der darin besteht, ob Menschen aus Veranlagung oder wegen vielem Sport dünn sind. Auch gegen Abnehmen habe ich nichts. Ich unterstützte es nur nicht, wenn Menschen sich darüber hinaus sich herunterhungern. Nicht auf gesunde Art und Weise abnehmen wollen!

    Außerdem wollte ich keinesfalls über diese Mädchen urteilen. Ich habe mir nur Gedanken darüber gemacht und ihre Situation hinterfragt... Nicht festgestellt, dass sie magersüchtig sei, sondern mich selber gefragt, wie ein Mensch so ungesund dürr aussehen kann und was Ursachen sein könnten dafür...

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  7. Ich stimme dir auch total zu! Das ist so schrecklich geworden. Ich hatte auch mal so ne Phase, habe mich oft zu dick gefühlt, habe Mahlzeiten ausfallen lassen und teilweise war mir wirklich schlecht vor Hunger. Aber ich bin ganz gut wieder daraus gekommen, zum Glück. Ich hoffe, dass sich dieser Trend bitte bald ändert!
    Liebste Grüße
    http://myscandinavianjourney.blogspot.no/

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